Wie AI-First-Teams wirklich arbeiten
Ideen werden am selben Tag getestet, an dem sie entstehen. Das ist das Erste, was auffällt, wenn man ein AI-first arbeitendes Marketingteam von innen sieht, und diese Geschwindigkeit ist das Ergebnis einer bestimmten Arbeitsweise, nicht eines einzelnen Tools.
Entscheidungen direkt im Team
In diesen Teams treffen einzelne Mitglieder viele operative Entscheidungen direkt selbst, unterstützt durch Systeme, die Varianten liefern und Ergebnisse einordnen. Die Freigabe durch mehrere Ebenen entfällt für die meisten dieser Entscheidungen. Ich habe ein Team beobachtet, das innerhalb eines Tages fünf verschiedene Ansprachen für dieselbe Zielgruppe getestet hat, jede von einer anderen Person verantwortet, ohne dass eine einzige davon vorher durch eine Führungsebene musste.
Experimente als Standardpraxis
Was mich an diesen Teams am meisten beeindruckt: Sie behandeln Experimente als normalen Teil der Arbeit. Eine Kampagnenvariante, die nicht funktioniert, ist für sie eine Information, die in die nächste Iteration einfließt. Es gibt keine langen Nachbesprechungen darüber, wer für ein gescheitertes Experiment verantwortlich ist, weil von Anfang an klar war, dass ein Teil der Varianten nicht funktionieren wird.
Die Rolle der Führung in diesem Modell
Führung sieht in diesen Teams anders aus, als ich es aus klassischen Marketingorganisationen kenne. Sie zeigt sich weniger in einzelnen Freigaben und mehr in der Qualität der Leitplanken, die vorher gesetzt wurden: welche Zielgruppen angesprochen werden dürfen, welche Aussagen über das Produkt zulässig sind, wo eine Grenze absolut ist. Innerhalb dieser Leitplanken bewegt sich das Team frei. Das verlangt von der Führungskraft, im Vorfeld sehr viel klarer zu sein, als es in einem Modell mit ständigen Einzelfreigaben nötig war.
Was das für die Teamkultur bedeutet
Diese Arbeitsweise verlangt Vertrauen: in die Systeme, vor allem aber in die Urteilsfähigkeit der eigenen Kolleginnen und Kollegen. Führung bedeutet hier, dieses Vertrauen aktiv aufzubauen, durch klare Leitplanken und durch die Bereitschaft, auch mal eine Entscheidung eines Teammitglieds mitzutragen, die sich im Nachhinein als falsch erweist. Ich habe gelernt, dass ein Team, das für eine falsche Entscheidung nicht bestraft wird, beim nächsten Mal schneller und mutiger entscheidet.
Ich bin überzeugt, dass genau diese Kultur den größten Unterschied macht, größer als jedes einzelne Tool. Tools lassen sich kaufen. Diese Art von Vertrauen muss ein Team sich über Zeit erarbeiten.